Ferals im schwarzen Tempel

Meinen heutigen Artikel schreibe ich über meine Sicht auf die Rolle des Ferals in den T6-Instanzen (also Mount Hyjal und der schwarze Tempel).
Dabei beziehe ich mich auf “Mittelstands-Raidgruppen”, die einen Mittelweg zwischen Fortschritt, Real Life und Gruppengefüge gehen. Gruppen, die ambitioniert sind und Konzentration während des Raids fordern, die aber den Spaß nicht vernachlässigen. Ich grenze sie von Highend-Raidgruppen ab, die MH/BT schon durch haben und auf Sunwell losgehen. Highend-Raidgruppen haben andere Mechanismen, was die Besetzung und die Beurteilung von Raidplatzen und die Nützlichkeit der Klassen angeht (z.B. optimiert ein Highend-Raid das Setup für jeden Fortschritts-Encounter, ein Mittelstands-Raid nimmt die Leute mit, die da sind).
Ich selbst bin bewusst in so einer Mittelstands-Raidgruppe (Fortschritt: 4 Bosse Hyjal down, gestern vierten Boss in BT gelegt) und fühle mich da wohl.

Wird der Feral in Hyjal und BT überhaupt noch gebraucht? Ich meine ja. Er spielt nicht mehr die überragende Rolle, die er im T4/T5-Content gespielt hat, aber er ist weiterhin so nützlich, dass 1-2 Feralplätze in einem Raid sinnvoll sind.
Wir geben es zwar nicht gerne zu, aber eigentlich war der Feral in Karazhan overpowered. Er konnte alles Tanken, er kam vom Schaden her an die Schurken ran, hatte eine tolle Aura und dazu noch Battlerezz und Anregen. Öfters fand man in Karagruppen 3 Ferals. Wenn wir bedenken, dass es insgesamt 27 Bäume gibt, ist es ziemlich stark, wenn von 10 Leuten 3 in dem gleichen Baum geskillt haben.
In T5-Instanzen waren viele Tanks praktisch: Hydross, Karathress, A’lar, Void-Reaver — bei diesen Encountern waren 3 Tanks Pflicht, 4 Tanks praktisch. Da die wenigsten Raids so viele Defkrieger und Protpalas haben, konnte man sich als Feral gut als Tank seinen Platz verdienen. In den anderen Encountern war man immer noch guter DD oder Offtank wie bei Kael’Thas.

Mit dem schwarzen Tempel und Hyjal ändert sich einiges. Auf der einen Seite sind die Boss-Encounter weniger Tank-lastig. Hyjal-Bosse brauchen einen MT, manchmal noch einen Offtank (oft mit einem Pala besetzt), die Trashmobs werden von Protpalas weggetankt. Im schwarzen Tempel werden auch manche Bosse von einem Tank getankt. Auf der anderen Seite fällt der Schaden der Ferals im Vergleich zu Schurken stärker ab, so dass man sie nicht als reine DDs gebrauchen kann.
Ich meine, sie sind weiterhin in ihrer Doppelrolle  stark, wobei sich der Schwerpunkt eher etwas vom Main Tanken zum Schaden oder reinen Offtanken wandelt. Woher kommt die Stärke:

  • Es gibt weiterhin Boss-Encounter, die mehrere Tanks brauchen: Supremus schlägt Gruul-Style zu; Bloodboil benötigt eine Tank-Rotation ähnlich wie beim Leerhäscher; usw. Eine Gruppe muss also für solche Encounter Tanks bereitstellen.
  • Es gibt Encounter oder Situationen, wo schwächere Gegner schnell weggetankt werden müssen. Dazu muss man nicht 32.000 Rüstung und 20.000 Leben haben. In Katzenequip oder Hybrid-Equip hat ein Feral aber eine solide Tier-Rüstung und 15.000 Leben in Bärform, zusammen mit einer guten Ausweichrate. Das macht ihn stark genug, um Akamas Adds, Mount-Hyjal-Viecher oder einen plötzlich auftauchenden Schurken zu tanken. Dafür ist er auch besser geeignet als ein Offkrieger. Zudem hat er einen schnellen Aggroaufbau gegen einzelne Ziele. Solange es nichts zu tanken gibt, macht er halt Schaden.
  • Als Damage-Dealer macht er 60%-70% vom Schaden eines Schurken. Wenn ich vernünftig spiele, bin ich in Katzenequip im Mittelfeld der DDs, bei besonders nahkampffreundlichen Encountern (z.B. Kaz’Rogal oder Azgalor) auch schon mal unter den besten fünf. Das ist kein herausragender Wert (ich bin kein herausragender Spieler und mein Katzenequip ist nicht das bestmögliche), aber keine andere Klasse kann die Kombination aus Tank und DD so perfekt spielen. Und in Hyjal kann man sich nach den Wellen vor den Bossen schnell umziehen, um vom Tank zum DD zu werden.
  • Utility-Funktion: Rudelführer (5% Crit) lieben die Schurken, Off-Krieger und Jäger. Dazu kommt noch die Selbstheilung, die oft unterschätzt wird, und wie ein kleiner HoT wirkt. Dazu gibt es Anregen und Battlerezz, die in einem knappen Encounter verdammt viel ausmachen können.

Ich sage nicht, dass der Feral keine Bosse tanken kann. Und ich sagen nicht, dass er nicht auch Top-DD sein kann. Aber das normale Einsatzgebiet ist in T6-Instanzen eher Offtank oder DD-Supporter. Def-Tanks werden im Vergleich immer stärker (da sie spezialisiertere Ausrüstung haben und nicht durch das Rüstungscap so beschränkt werden), und bieten sich als Main Tanks an. Der Feral erfüllt dagegen den Schadens-Teil so gut wie keine der anderen Tank-Skillungen. Es ist nicht eines dieser Aspekte, die den Feral so stark macht, sondern die Kombination.
Und auch wenn der Schaden des Feral nicht so gut skaliert wie der von Schurken: Mit den neuen Markenbelohnungen aus 2.4 bekommt man als Feral starke neue Items (der Stab ist genial!), um mithalten können.

Was heißt das für den Spieler? Er muss dafür sorgen, dass sowohl sein Bär- als auch sein Katzenequip auf hohem Stand ist. Es reicht nicht mehr, zu sagen “ich mache das eine, das andere kann ich nicht” — dafür ist er als reiner DD oder als reiner Tank zu schlecht. Der Fokus der Ausrüstung liegt — im Gegensatz zu T5-Instanzen — eher auf Damage-Equip, da Boss-Tanken nicht mehr die zentrale Rolle spielt, und für alles andere auch Off-Tankequip oder Hybrid-Equip ausreicht.
Auch wenn wir von unserer ursprünglichen Stärke als “Super-Hybrid” (wir können alles, und zwar perfekt!) einen Schritt zurückgehen müssen, so sind wir immer noch eine starke Bereicherung für die Gruppe. Es ist nicht so, dass bei uns ab den T5-Instanzen Schluss ist.

Schlussendlich glaube ich auch, dass es gerade für Mittelstands-Raids wichtigere Aspekte gibt als das letzte Quentchen Schaden. Die Itemschraube hat sich in dem Jahr seit Erscheinen vom schwarzen Tempel so nach oben gedreht, dass bei vernünftiger Taktikbeherrschung der Schaden nicht das Thema ist (es ist lange her, dass ich Bosse haben enragen sehen; entweder war er oder wir davor tot). Deshalb ist Taktikverständnis bei den Bossen, Reaktionsvermögen auf Bossfähigkeiten und nicht zuletzt auch sowas wie Zuverlässigkeit und Sozialverhalten gegenüber seiner Gruppe wichtiger als ein Platz oben auf dem Webstats. Denn auch wenn Mittelstands-Raids neue Bosse töten wollen — sie wollen sie mit den Leuten legen, in deren Gesellschaft sie sich wohl fühlen.

Arbeitet daran, dass sich andere Spieler bei Euch wohlfühlen und euren Fähigkeiten vertrauen, gebt euer bestes, und ihr seid in netten Raidgruppen immer willkommen. Egal welche Klasse und Skillung ihr habt.

~ by apollyon on May 6, 2008.

2 Responses to “Ferals im schwarzen Tempel”

  1. Wow
    super geschrieben

    ich glaub du bist ein druide bei dem man sich gut und sicher fühlen kann

  2. alles in allem mal wieder ein post dem ich nur zustimmen kann. verfolge deine seite schon seit längerem und muss dir ein großes Lob aussprechen! sehr gute Seite mit guten themen und super beiträgen.

    Weiter so!

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